|
Der Kanal
gehört zu den spiegelgleichen Seekanälen und wird an
beiden Enden durch Schleusen gegen die wechselnden Wasserstände
(verursacht durch Gezeiten oder Windstau) der Nordsee und der
Ostsee abgeschlossen. Die Endpunkte befinden sich in Brunsbüttel
an der Elbe und in Kiel, Stadtteil Kiel-Holtenau in der Kieler
Förde. Sie liegen 98,637 Kilometer auseinander (Luftlinie
85,5 km). Mit der Fließgewässerkennziffer 5978 gehört
der Kanal offiziell zum Flusssystem der Elbe.
Dabei durchquert der Kanal mehrere Landschaftszonen Schleswig-Holsteins.
Zunächst durchquert er die Marsch und durchschneidet dann
einen Geestrücken. Bis Rendsburg orientiert sich der Kanal
an der Eiderniederung und erreicht dann das östliche Hügelland.
Wichtigste Hafenstadt im Verlauf des Kanals ist Rendsburg. Nordöstlich
von Rendsburg verläuft der Kanal eine Weile lang durch das
alte Flussbett der Eider. Zwischen Rendsburg und Kiel bildet der
Kanal die Grenze zwischen den Landesteilen (Süd-) Schleswig
und Holstein.
Der Kanal entwässert ein Gebiet von 1580 km², wovon
250 km² durch Schöpfwerke künstlich entwässert
werden. Dabei fließen zwischen 4 m³/s und 190 m³/s
in den Kanal, im Schnitt sind es 20 m³/s. Das Wasser fließt
vor allem bei Brunsbüttel in die Elbe.
Im Unterschied zu flacheren Binnenkanälen sind im Nord-Ostsee-Kanal
nur die Uferbereiche zwischen ein Meter über und bis zwei
Meter unter dem Wasserspiegel geschützt. Hier liegen 15 bis
50 Kilogramm schwere Steine auf einer 30 bis 50 Zentimeter dicken
Kiesschicht. Bei weichen Untergründen wie Torf oder Klei
liegen diese auf einer Buschmatte, um das Gewicht optimal zu verteilen.
Um den Kanal schiffbar zu halten, werden jährlich 6,5 Millionen
m³ Nassschlick in Brunsbüttel ausgebaggert, im restlichen
Kanal noch einmal 0,1 Millionen m³ Erosionsmaterial. Der
Einsatz der Bagger birgt dabei zum einen ein Kollisionsrisiko
für den Schiffsverkehr, zum anderen scheint auch insbesondere
der Einsatz von Saugbaggern die Ökologie des Kanals empfindlich
zu stören.
Acht Straßen und vier Eisenbahnstrecken überqueren
den Nord-Ostsee-Kanal auf insgesamt zehn Brücken, dreizehn
Fahrzeug- und eine Personenfähre ermöglichen den Transport
auf die andere Seite, und bei Rendsburg existieren ein Straßen-
und ein Fußgängertunnel. Bekannt ist die in Rendsburg
befindliche Eisenbahnhochbrücke mit der darunter hängenden
Schwebefähre. Alle Brücken haben die gleiche Durchfahrtshöhe
von 42 Metern für die Schifffahrt, weil der Kanal beim Bau
für die Linienschiffe der Deutschlandklasse der kaiserlichen
Marine ausgelegt wurde.
Erste Pläne
für einen Kanal quer durch das heutige Schleswig-Holstein
reichen wahrscheinlich bis in das 7. Jahrhundert zurück.
Von der damals blühenden Handelsstadt Haithabu an der Schlei
waren zwischen der Ostsee und der Nordsee nur 16 km Landweg zu
überbrücken, denn die hier fließende Treene mündet
über die Eider in die Nordsee. Die Waren und auch die leichten
Schiffe der Wikinger wurden über diese Landbrücke von
Ochsen getragen bzw. gezogen.
Eisenbahn-Hochbrücke bei Rendsburg mit Tankmotorschiff Caapemaa,
Juni 1961
Durch die spätere Verlagerung des Handels in Schleswig-Holstein
nach Lübeck wurde dieser Plan jedoch obsolet. Es entstanden
der Stecknitz- und der Alster-Beste-Kanal, die jedoch nicht für
Seeschiffe bestimmt waren.
Der direkte Vorläufer des Nord-Ostsee-Kanals war der Eiderkanal,
den der dänische König Christian VII. von 1777 bis 1784
errichten ließ. Er begann in Kiel und mündete bei Rendsburg
in die Eider, die bei Tönning die Nordsee erreicht. Jedoch
dauerte eine Fahrt durch Kanal und Eider noch drei bis vier Tage.
1864, zu Beginn des deutsch-dänischen Krieges erteilte der
preußische Kanzler Otto von Bismarck den Auftrag, Ermittlungen
über eine Verbindung zwischen Nord- und Ostsee anzustellen,
welche alle Kriegs- Handels- und Dampfschiffe gut passieren
können. Der deutschen Flotte sollte die Möglichkeit
gegeben werden, jederzeit von der Ostsee in die Nordsee
zu gelangen, ohne unter dänischen Kanonen passieren zu müssen.
Damit wurde der zunächst vorrangig militärisch-strategische
Charakter des Kanalprojekts deutlich angesprochen. Die Generäle
Moltke und Albrecht von Roon sprachen sich allerdings gegen das
von Bismarck forcierte Kanalprojekt aus. Generalstabschef Helmuth
Karl Bernhard von Moltke verfasste sogar ein Pamphlet: Rede
gegen den Kanalbau.
1873 schien das Kanalprojekt gescheitert. Aber Bismarck fand Verbündete.
1878 legten der Hamburger Reeder Hermann Dahlström, auch
Kanalström genannt, und der Wasserbauinspektor
Boden einen Plan für einen Kanal vor, der weitgehend entlang
der heutigen Streckenführung von Kiel-Holtenau nach Brunsbüttel
führen sollte. Bismarck gelang es in der Folge, Kaiser Wilhelm
I. für den Kanalbau zu gewinnen, und 1883 erließ der
Kaiser den Auftrag, Beratungen über einen Bau des Kanals
anzustellen, und zwar ausdrücklich mit den für
die Flotte notwendigen Ausmaßen.
Bau und erste Erweiterung (1886-1914)
1886 billigte der Reichstag ein Gesetz zum Bau des Kanals und
am 3. Juni 1887 erfolgte die Grundsteinlegung durch Kaiser Wilhelm
I. in Kiel-Holtenau, leitender Ingenieur war Otto Baensch aus
Zeitz (Provinz Sachsen).
Nach acht Jahren Bauzeit konnte Kaiser Wilhelm II. den damals
noch Kaiser-Wilhelm-Kanal genannten Wasserweg am 21. Juni 1895
eröffnen. Der Bau kostete 156 Mio. Goldmark, bis zu 8900
Arbeiter hatten circa 80 Mio. m3 Erdreich bewegt. Ungewöhnlich
für ein Projekt dieser Größenordnung überschritt
der Kanalbau damit nicht die ursprünglich eingeplanten Kosten.
Der Kanal war zu diesem Zeitpunkt 67 m breit und 9 m tief. Zur
Finanzierung wurde von Kaiser Wilhelm II. 1902 die Schaumweinsteuer
eingeführt.
Durch die technische Fortentwicklung und die Einführung von
Großkampfschiffen in der deutschen Marine reichte der Kanal
allerdings schon bald nicht mehr aus, um diesen die Passage zu
ermöglichen. Von 1907 bis 1914 wurde der Kanal das erste
Mal ausgebaut. Die Breite wurde auf 102 m erhöht und die
Tiefe auf 11 m. Außerdem wurden sowohl in Kiel als auch
in Brunsbüttel je zwei neue Schleusen gebaut. Diese sind
mit 310 m Länge und 42 m Breite deutlich größer
als die alten Schleusen mit 125 m Länge und 22 m Breite.
Der Ausbau kostete 242 Mio. Goldmark und war damit deutlich teurer
als der ursprüngliche Bau.
Ausbau (seit 1914)
Der Versailler Vertrag internationalisierte den Kanal 1918. 1948
wurde der Kanal in Nord-Ostsee-Kanal umbenannt. Seit 1965 wird
der Kanal zum zweiten Mal erweitert. Zum Schutz der Böschung
wird die Breite bis zum Kanalkilometer 87 auf 162 Meter erweitert.
Dies ist bis heute nicht abgeschlossen, die Gesamtkosten werden
auf 485 Mio. Euro geschätzt. Zurzeit laufen Detailplanungen
der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord für die Anpassung
der Oststrecke des Nord-Ostsee-Kanals. Am 7. Oktober 2006 wurde
das neue elektronische Verkehrslenkungsystem, in das 13,5 Mio.
Euro investiert wurden, eingeweiht. Es hatte die Zentralisierung
der Leitstelle in Brunsbüttel zur Folge.
Nachdem die
Zahl der Schiffe mit etwa 35.000 im Jahr 1999 einen Tiefststand
erreicht hatte, steigt sie seitdem, den Trends im internationalen
Schiffsverkehr folgend, kontinuierlich. 2004 passierten ca. 41.000
Schiffe mit ungefähr 80 Mio. Tonnen Ladung den Kanal, 2006
stieg diese Zahl auf etwa 43.000 Fahrzeuge. Ein Großteil
davon ist Feederverkehr, der aus dem Ostseeraum kommend, die Häfen
in der südlichen Nordsee anläuft, wo ihre Ladungen zu
Transozean-Passagen zusammengestellt werden
Da der Kanal
Seeschifffahrtsstraße ist und von sehr vielen Schiffen der
unterschiedlichsten Größenklassen befahren wird, gelten
auf ihm sehr umfangreiche Verkehrsvorschriften. Es gibt spezielle
Regeln für das Begegnen und Überholen: In Abhängigkeit
von Länge, Breite und Tiefgang werden die Schiffe in sechs
Verkehrsgruppen unterteilt. Das Begegnen ist nur in den Weichen
für alle Schiffe zulässig; sonst richtet sich die Zulässigkeit
einer Begegnung nach der Summe der Verkehrsgruppen. Die Höchstgeschwindigkeit
für Schiffe der Verkehrsgruppe 6 liegt bei 12 km/h (6,5 kn)
und für alle übrigen Schiffe bei 15 km/h (8,1 kn). Eine
Fahrt durch den Kanal dauert 6 bis 8 Stunden. Die Regelung des
Verkehrsablaufs auf dem Nord-Ostsee-Kanal wird als Verkehrslenkung
bezeichnet
Schiffsbegrüßungsanlage
Rendsburg
Seit 1997 befindet sich direkt am Nord-Ostsee-Kanal eine besondere
touristische Attraktion - die Schiffsbegrüßungsanlage
an der Schwebefähre in Rendsburg.Die
passierenden Schiffe werden mit ihrer Nationalhymne und Flaggengruß
aus der Sprecherkabine der Schiffsbegrüßungsanlage
begrüßt, sobald sie die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke
erreicht haben.
Und
die Besucher erhalten ausführliche Informationen über
die Schiffe hinsichtlich Heimat- und Zielhafen, Größe,
Anzahl der Passagiere und vieles mehr.
Die Aussichtsplattform
Die Plattform befindet sich südlich des Kanals auf der Westseite
der Brücke. Sie ist über eine 178stufige Wendeltreppe,
eingebaut in einen Brückenpfeiler, zu erklimmen.Aus
über 40m Höhe hat der Besucher einen großartigen
Blick über den Kanal und die Region.
In den
Sommermonaten werden sonntags über die Rendsburger Tourist-Information
Führungen auf die Aussichtsplattform angeboten.
Die Tourist-Information
erreichen Sie unter der Telefonnummer 04331 - 21120.
Technische
Daten Nord Ostsee Kanal
Abmessungen
Länge: 98,637 km
Breite im Wasserspiegel: 162 m (teilweise noch 102,5 m)
Breite in der Sohle: 90 m (teilweise noch 44 m)
Wassertiefe: 11 m
Schleusen
Alte Schleusen
Nutzlänge: 125 m
Nutzbreite: 22 m
Drempeltiefe: in Brunsbüttel NN-10,20 m
in Kiel-Holtenau NN- 9,80 m
Stemmtore: je Kammer 2 Ebbe- und 2 Fluttore
Füllung: durch 2 Seitenkanäle mit je 12 Stichkanälen
Schleusungszeit: 30 Minuten
Neue Schleusen
Nutzlänge: 310 m
Nutzbreite: 42 m
Drempeltiefe: NN-14,00 m
Schiebetore: je Kammer 3 Tore
das Mitteltor -zugleich Reservetor- ermöglicht in einer verkürzten
Kammer eine schnellere Schleusung
Füllung: in Brunsbüttel durch Torumläufe
in Holtenau durch 2 Seitenkanäle mit je 29 Stichkanälen
Schleusungszeit: 45 Minuten
Aktuelle
Termine Nord Ostsee Kanal
Hier finden
Sie für Ihre Planung die Schiffspassagen durch den Nord Ostsee
Kanal
Webcams
Nord Ostsee Kanal
Kiel-Holtenau
Standort:Blick:
neue Schleuse - Richtung Kieler Förde
Kiel-Holtenau
Standort:Blick:
westwärts - Richtung Holtenauer Hochbrücke
Schacht-Audorf
Standort:
"Kiek ut" - Nähe Fähranleger .Blick: westwärts
- Richtung Fähranleger, Rendsburger Eisenbahnhochbrücke
Rendsburg
1
Standort:
Schiffsbegrüßungsanlage . Blick: ostwärts - Richtung
Schacht-Audorf
Rendsburg
2
Standort:
Kreishafen. Blick: ostwärts - Richtung Rendsburger Eisenbahnhochbrücke
Rendsburg
3
Standort:
Kreishafen . Blick: westwärts - Richtung Alte Lotsenstation
Rendsburg
4
Standort:
Kanalufer (Nähe "Alte Lotsenstation"). Blick: ostwärts
- Richtung Rendsburger Kreishafen
Brunsbüttel
Schleuse
|